Bischöfe mit Rück- und Ausblick zu Silvester.
Bischöfe mit Rück- und Ausblick zu Silvester.
Krautwaschl: 2019 "hinausgehen aus der eigenen Bequemlichkeit".
Der Feldkircher Bischof Benno Elbs ruft zum Jahreswechsel dazu auf, das Jahr 2019 als "gesegnetes Jahr" zu begreifen und so einen Schritt aus der "Spirale von Gewalt und Hass" zu wagen: "Wer selbst gesegnet wurde, kann nicht anders, als diesen Segen weiterzugeben und selbst zum Segen zu werden. Nur wer aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt, von Hass und erwidertem Hass aussteigt, kann die Welt erneuern", sagte Bischof Elbs bei einem Gottesdienst am Silvestertag, 31. Dezember 2018 im Feldkircher Dom.
Zugleich blickte Elbs in seiner Predigt zurück auf ein auch diözesan bewegtes Jahr 2018: Schließlich feierte die Diözese Feldkirch in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Ziel dieses Jubiläumsjahres war es laut Elbs, "das entscheidend Christliche aufleben zu lassen". Dazu habe man etwa ein großes "Mahl für alle" und insbesondere für Menschen an den Rändern der Gesellschaft gefeiert und deren Sorgen und Nöte in den Mittelpunkt gestellt. Auch erinnerte Elbs an das große "Fest am See", zu dem im vergangenen Mai mehr als 15.000 Menschen gekommen waren. "Es wurde spürbar: Freude und das Feiern von Festen gehören zentral zum Christsein dazu." Als "sichtbares Zeichen unseres Glaubens" wurde außerdem ein Carl-Lampert-Kreuz auf dem Gipfel des Montafoner Kreuzjochs errichtet.
Als Beispiel für ein "auch innenpolitisch" bewegtes Jahr verwies Elbs schließlich auf das "menschliche Drama der Flüchtlingsfamilie in Sulzberg". Dies habe "betroffen gemacht" und zugleich aufgezeigt, "dass zentral christliche Werte wie Humanität und Solidarität mit den Schwächsten in unserer Gesellschaft nicht in Frage gestellt werden dürfen." Vor diesem Hintergrund könne der Blick zurück "ein Blick des Dankes, vielleicht aber auch ein Blick der Sorge und Trauer sein", so der Feldkircher Bischof.
Der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl hat an die Gläubigen seiner Diözese appelliert, "hinauszugehen aus der eigenen Bequemlichkeit und den Mut zu haben, alle Randgebiete zu erreichen, die das Licht des Evangeliums brauchen". Der Kirche bekomme es nicht gut, sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen und dabei ihren Sendungsauftrag hinein in diese Welt in den Hintergrund treten zu lassen, sagte der Bischof bei einem Gottesdienst zum Jahreswechsel am Montagnachmittag im Grazer Dom.
In der Diözese Graz-Seckau habe man einen solchen Aufbruch im letzten Jahr mit einem 19-seitigen Strategie-Papier, dem sogenannten "Zukunftsbild", angestoßen, "um in einer sich immer schneller ändernden Gesellschaft gerüstet zu sein", erläuterte der Bischof. Für eine jahrhundertealte Institution heiße das, "neu Schwung zu holen aus dem Anfang im gemeinsamen Unterwegssein mit allen auf der Suche nach Gott".
Dies gelte um so mehr, als viele Menschen heute der Kirche distanziert gegenüberstünden, so der Bischof weiter. Grund dafür seien "die vielen Verfehlungen, die den wahren Charakter und die Sendung der Kirche verdunkelt haben". Die Kirche habe über die Jahrhunderte hinweg so "manches an Schrammen und Wunden" davongetragen. "Das hängt wie ein großer Klotz am Bein und wird auch immer wieder benannt", so Krautwaschl.
Den Gläubigen empfahl er, den Jahreswechsel zum Anlass zu nehmen, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Dieser Zeitpunkt des Vor- und Zurückschauens könne nämlich zu einem "Aufbruch" werden: "Wo ich vielleicht Stillstand oder gar Ausweglosigkeit im eigenen Leben verspüre, kann im Annehmen dessen möglicherweise schon ein Aufbruch oder Neubeginn markiert werden". Dabei dürfe sich jeder auf die Zusage der Bibel verlassen, "dass alles, was uns im Leben begegnet, auf dem Hintergrund unseres Schöpfers zu lesen ist". Ein solches Vertrauen und einen solchen Glauben wünsche er jedem.
Gegen Schönfärberei im Blick auf die Vergangenheit hat sich der Gurker Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger am Silvesterabend ausgesprochen. Der Jahreswechsel sei für viele Anlass zum Rückblick, sagte er im Klagenfurter Dom. In "unserer auch von Erfolgsdruck geprägten Gesellschaft" dominiere dabei sehr oft der Wunsch, "unter allen Umständen eine positive Bilanz ziehen und Negatives sowie Bruchstückhaftes zu verdrängen oder gleichsam entsorgen zu wollen". Doch Christen dürften "gerade auch die Bruchstücke, Verwerfungen und Scherben als Teil unseres Biografie Gott in der Gewissheit anvertrauen , dass er noch etwas daraus machen kann", erklärte Guggenberger in einer Aussendung der Diözese Gurk-Klagenfurt.
Für Christen sei daher am Ende des Jahres nicht allein die Frage entscheidend, "was unter dem Strich herausgekommen ist". Vielmehr gehe es bei der persönlichen Bilanz zum Jahresende in besonderer Weise um Fragen wie "Was ist in diesem Jahr mit mir und in mir geschehen?", "Habe ich mein Leben vertiefen können in Freud und in Leid?", "Bin ich in diesem Jahr Gott näher gekommen und konnte ich ihn vielleicht neu erfahren, ihm begegnen?". Selbst für den Fall, dass diese Fragen mit "Nein" beantwortet werden müssten, könne ein abgelaufenes Jahr wichtig gewesen sein im Reifeprozess des Lebens", sagte Guggenberger. Der Diözesanadministrator rief dazu auf, Gott vertrauensvoll die Vergangenheit zu übergeben und das kommende Jahr hoffnungsvoll in seine Hände zu legen.
"Es muss heute darum gehen, miteinander und nicht übereinander zu sprechen": das hat der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz in seiner auf der Diözesanwebsite veröffentlichten Silvesterpredigt betont. In einer auch im persönlichen Leben "übermedialisierten Welt" mit einer "aufgeheizten Empörungskultur" gelte dies mehr denn je, nahm der Bischof am Montag im St. Pöltner Dom indirekt Bezug auf die jüngsten Konflikte hinsichtlich seiner im Sommer beendeten Amtszeit in der Diözese Gurk-Klagenfurt.
Wegen von der interimistischen Kärntner Kirchenführung erhobenen Vorwürfen wird der Salzburger Erzbischof Franz Lackner ab Mitte Jänner als päpstlicher Beauftragter diese Vorwürfe prüfen und sich ein Bild über die katholische Kirche in Kärnten machen.
Sein Jahreswechsel sei heuer "geprägt vom Nachdenken darüber, was es bedeutet, wenn man angegriffen wird, wenn sich Freunde gegen einen wenden, wenn Fassungslosigkeit statt Vertrauen und Sprachlosigkeit und Vorwürfe statt dem offenen und vertrauten Gespräch plötzlich vorherrschen", so Schwarz. Mit weniger Medienbeteiligung erleben dies viele Menschen im persönlichen Umfeld oder im Beruf. "Daran nicht zu zerbrechen, sondern wachsen, oder weiter vertrauen, ist eine Herausforderung", erklärte der Bischof. "Gerade wenn das eigentlich Vertraute keinen Halt mehr gibt", brauche es Menschen, die "gemeinsam durchstehen" und "zusammenhalten".
"Bei so einem persönlichen Jahresrückblick geht es auch um Vergebung", setzte der Bischof wörtlich fort - "darum, zu vergeben, und auch darum, dass einem vergeben wird. Dass das, was unser Leben an Auswirkungen hat, den absichtlichen und den unabsichtlichen, auch schmerzen kann." Mit Jesus Christus im Blick gelte es "nicht zu verbittern und hart zu werden, sondern verständnisvoll und liebevoll, auch wenn eigentlich Gefühle der Ablehnung, Zorn und Wut vorherrschen".
Als Beispiel für "Herausforderungen und Aufregungen" im vergangenen Jahr nannte Bischof Schwarz den Einsatz für den Schutz des Lebens an dessen Beginn und Ende sowie Lebensbejahung auch angesichts von Gewalt, Armut und Krankheit oder schlimmen Ereignissen, von misslingenden Projekten und scheiternden Beziehungen. "Wir bringen hier mit dem, was wir hier feiern, in das oft schwer zu durchschauende Knäuel unserer Gefühle, Gedanken und Motivationen, aber auch in unsere Enttäuschungen und Verletzungen eine innere Ausrichtung, dass das Leben gelingen kann", wandte sich Schwarz an die Gläubigen. "Wir brauchen eine Zeit des Nachdenkens, dass wir uns selbst besser kennenlernen, um ein gutes Leben zu führen."
Der Bischof wies darauf hin, dass Menschen "empathische Wesen" sind - ohne persönlichen Kontakt, ohne persönliches Gespräch, ohne ein konkretes "Du" würden Mitgefühl, Mit-Leid und die vom Schöpfer in die Herzen eingeschriebene Menschlichkeit nicht funktionieren. "Der Bildschirm, das Papier, das Handy berühren uns nicht, nur der konkrete Mensch, die Umarmung, das gesprochenen Wort. Das hat sich unser Gott schon gut ausgedacht", sagte Schwarz. "Wir nehmen die Verwundung unserer Seele mit und hoffen, dass die Narbe nicht allzu sehr blutet, wenn ein neues Jahr beginnt und die Erinnerung an Vergangenes uns plötzlich überkommt."
Für die Zukunft legte Bischof Schwarz den Gläubigen drei Empfehlungen ans Herz, die Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2019 dargelegt habe: Frieden mit sich selbst, Frieden mit anderen und Frieden mit der Schöpfung.
"Gerechtigkeit ist ein anderes Wort für Friede": An diesen Ausspruch von Papst Johannes XXIII. in seiner wegweisenden Enzyklika "Pacem in terris" (1963) hat der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler anlässlich des am 1. Jänner begangenen Weltfriedenstages erinnert. "Ohne eine entschiedene Offensive für einen annähernden Ausgleich von Lebenschancen für einen Großteil der Weltbevölkerung wird kein nachhaltiger Friede möglich sein", betonte er in einem auf der Website der Diözese Innsbruck veröffentlichten Manuskript.
Glettlers These im Anschluss an den heiliggesprochenen Konzilspapst: "Solange es keine annähernde Verteilungs-Gerechtigkeit in der Welt gibt, solange die Menschenrechte verletzt werden, solange nicht jedes Individuum Entwicklungsmöglichkeiten gemäß seinen Anlagen und Fähigkeiten hat und in Freiheit leben kann, solange es keine gerechte Weltordnung und Teilhabe gibt, Menschen ausgebeutet werden, hungern müssen und keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, Frauen- und Kinderrechte mit Füßen getreten werden, wird es Gewalt und Kriege geben."
Der eindringliche Appell, den Papst Franziskus 2013 bei einem Besuch im Armenviertel von Rio de Janeiro an seine Zuhörer richtete, gelte auch für hier und heute: "Werdet nicht müde, für eine gerechtere und solidarischere Welt zu arbeiten!" Jeder solle seinen Möglichkeiten und seiner Verantwortung entsprechend persönlich dazu beitragen, den vielen sozialen Ungerechtigkeiten ein Ende zu setzen. Nicht die "Kultur des Egoismus" baue eine bewohnbarere Welt auf, sondern die Kultur der Solidarität, zitierte Glettler den argentinischen Papst.
Ohne Veränderung unseres westlichen, auch die Natur massiv ausbeutenden Lebensstils sei letztlich kein essenzieller Beitrag zum Frieden möglich. "Getriebene der Gier nach immer mehr werden die Welt in einen immer größeren Stress versetzen", warnte Glettler.
Wirklicher Friede, der mehr als "Nicht-Krieg" ist, habe aber noch viel mehr Dimensionen als diese globale, unterstrich der Bischof. Der "eigentliche Unruheherd", in dem das gesamte Potenzial von Frieden und Vernichtung gespeichert sei, ist nach den Worten Glettlers das menschliche Herz - wie die jüdisch-christliche Tradition die Mitte der Person benennt. Das Herz sei Speicherzentrale und Archiv nicht nur für die vielen positiven und schönen Momente des Lebens, sondern auch für Enttäuschungen, Demütigungen und Verbitterung. Angesichts von erlittenen Kränkungen und dem damit verbundenen destruktiven Aggressionspotenzial sei dieses Herz die "eigentliche Waffenkammer des Menschen", so Glettler.
Wahre Herzensbildung erfordere u.a. die konsequente Einübung von humanen Wertvorstellungen. Ansonsten komme es zu einer "steigenden Abkühlung und Vereisung des Miteinanders" und zu einem wachsenden diffusen Misstrauen der Menschen untereinander. Ohne eine solche "Wandlung des Herzens" werde sich der "soziale Klimawandel" fortsetzen, "der mindestens so dramatische Folgen hat wie der ökologische", warnte Glettler.
Wichtige Faktoren als Friedensförderer sind nach den Worten des Bischofs die Religionen - trotz des ihnen auch innewohnenden Gewaltpotenzials. Ein "Dialog der Religionen" auf mehreren Ebenen - alltagspraktisch, nachbarschaftlich, gesellschaftspolitisch, theologisch - sei trotz der konkreten Mühe, die er abverlangt, eine alternativlose Bedingung für das Projekt "Weltfrieden", betonte Glettler. Und Friedensarbeit benötige eine spirituelle Basis: "Es ist notwendig, der Seele Nahrung zu geben." Wer innerlich leer ist, sei unfähig zur Geduld mit seiner Umgebung, nicht belastbar, sondern im Gegenteil entweder apathisch oder aggressiv, erklärte Glettler.
Er erinnerte an die Utopie des im Weihnachtsevangelium verkündeten "Friedens auf Erden". Hier werde eine Gegenmacht proklamiert, die sich "dem Machtmoloch römisches Reich" entgegenstellt, wie Glettler sagte: "Nicht der vergöttlichte Kaiser, sondern der lebendige Gott, der in Jesus als menschliche, verletzbare Gestalt zu uns gekommen ist, schafft den wirklichen Frieden."
Utopien trügen in sich ein Veränderungspotenzial und schöpfe ihre Kraft aus zwei Elementen, auf die Papst Franziskus aufmerksam gemacht habe: einerseits aus dem Missbehagen über die vorherrschende Wirklichkeit; andererseits aus der "unerschütterlichen Überzeugung, dass eine andere Welt möglich ist".
Die Jahresschlussandacht am 31. Dezember feierte Bischof Glettler im Innsbrucker Dom. Für 1. Jänner kündigte die Diözese seine Teilnahme an einem Friedensgebet in der Spitalskirche in Innsbruck mit.