SORA-Studie: "Zusammenleben in Wien" sollte nicht schlechter dargestellt werden, als es ist. Menschen mit und ohne Migrationshintergrund teilen überwiegend positive Einschätzungen.
Eine Mehrheit unter den in Wien lebenden Menschen teilt die Einschätzung, dass hier alles in allem Respekt gegenüber Menschen mit einer anderen Religion vorherrscht und es insgesamt einen freundlichen Umgang miteinander gibt. Unterschiede nach dem Migrationshintergrund sind dabei "nur gering ausgeprägt", heißt es in der Zusammenfassung einer am Dienstag veröffentlichten SORA-Studie unter 1.104 Wienerinnen und Wienern. Thema der Studie war das Zusammenleben in der Bundeshauptstadt, eine Frage galt dem "Respekt gegenüber anderen Religionen".
Insgesamt 58 Prozent der befragten Über-16-Jährigen sind der Meinung, dass im Großen und Ganzen in Wien ein freundlicher Umgangston miteinander besteht (14 Prozent stimmen sehr zu, 44 Prozent stimmen ziemlich zu). Bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund stimmen 17 Prozent sehr, 38 Prozent ziemlich zu; ähnlich bei jenen ohne Migrationshintergrund: 12 Prozent stimmen sehr, 48 ziemlich zu.
Befragungszeitraum der vom Wiener Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr - zuständig für Integration und Diversität - beauftragten Studie war zwischen 20. Februar und 29. März 2023. Wiederkehr betonte bei der Präsentation die Wichtigkeit, evidenzbasiert zu handeln: "Eine ausgewogene Politik der Mitte schaut weder weg, noch macht sie Probleme größer." Der im Bund regierenden ÖVP warf er "Desintegrationspolitik" vor. SORA-Projektleiter Christian Glantschnigg ergänzte: "Das Zusammenleben in Wien funktioniert weitaus besser, als oftmals kommuniziert wird - vor allem im eigenen Grätzl." Kontakte zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten seien alltägliche Erfahrung in der Stadt.
Erhoben wurde dabei auch, welche Themen die Wienerinnen und Wiener als vorrangige Probleme für die Stadt empfinden. Hier zeigten sich die großen Auswirkungen der aktuellen Teuerungswelle: Eine absolute Mehrheit der Befragten (64 Prozent) sieht hier ein sehr großes Problem, weitere 28 Prozent empfinden die Teuerung als ziemlich großes Problem. Darauf folgen laut der Studie mit einigem Abstand die Themen Wohnen (38 Prozent sehr großes Problem, 36 Prozent ziemlich großes Problem) sowie Klimawandel (37 Prozent sehr großes Problem, 32 Prozent ziemlich großes Problem).
Themen aus dem Bereich des Zusammenlebens bzw. aus Zuwanderung und Asyl folgen erst auf dem vierten und fünften Platz dieses Ratings: 39 Prozent sehen die Zuwanderung aus dem Ausland als sehr großes Problem an, 28 Prozent als ziemlich großes Problem. Beim Thema der Aufnahme und Unterbringung von Menschen auf der Flucht ist das für 35 Prozent ("sehr großes Problem") bzw. 31Prozent ("ziemlich großes Problem") der Fall.
Konterkariert wird das als überwiegend respektvoll empfundene Verhältnis zwischen und gegenüber den Religionen durch einen Fall von Vandalismus in Wien-Floridsdorf, über den am Dienstag mehrere Medien berichteten: Einer Marienstatue in einem privaten christlichen Gebetsgarten am Marchfeldkanal wurden Oberkörper und Kopf abgeschlagen, das Gesicht des gekreuzigten Jesus ist zerstört. Auch Blumen wurden ausgerissen, Laternen und die Metallstäbe der Rosenkranzstationen mit Bildern aus dem Leben Jesu sind beschädigt. Von den Tätern fehlt noch jede Spur.