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21.12.2016 · Kardinal · Advent & Weihnachten

Glaube, Hoffnung und Liebe!

Weihnachten? Interview mit Kardinal Christoph Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn spricht im Interview mit dem SONNTAG über seine Erinnerungen, Gedanken und Wünsche zu Weihnachten.

Weihnachten, das Fest der Liebe und der Freude. Welche Gedanken und Erinnerungen vebindet unser Kardinal Christoph Schönborn mit Weihnachten? Wie feiert er selbst am Heiligen Abend? Und: Was ist seine Botschaft für uns?

 

Ein bewegtes, intensives Jahr geht zu Ende, Weihnachten steht vor der Tür. Auch bei Kardinal Christoph Schönborn laufen die letzten Vorbereitungen auf das Fest, in seinem Büro brennt die vierte Kerze seines Adventkranzes. Die letzten Tage vor dem Heiligen Abend sind für ihn ein Zeitpunkt, um innezuhalten, sich vorzubereiten. Und es werden auch Erinnerungen wach, wie uns der Kardinal im Interview erzählt:

 

Kardinal Christoph Schönborn: „Natürlich Kindererinnerungen, die gehören zu Weihnachten dazu. Bei mir sind es bescheidene, aber schöne Erinnerungen an die Nachkriegszeit. Weißenbach am Attersee, wo wir als Flüchtlinge untergebracht waren, bei einer Familie. Das ist das erste Weihnachten, an das ich mich bewusst erinnern kann. Da war ich vier Jahre alt. Aber natürlich hat Weihnachten für mich im Lauf der Jahre eine ganz andere Bedeutung bekommen als nur die Frage des Christbaumes und der Weihnachtsgeschenke. Die waren übrigens Ende der 40er-Jahre noch sehr bescheiden. Ich kann mich erinnern, dass ich damals einen Holzbauernhof bekommen habe. Das ist das erste Weihnachtsgeschenk, an das ich mich erinnern kann.


Inzwischen ist für mich der Heilige Abend mit einem ganz bestimmten Ritus verbunden. Zuerst ist da die Weihnachtsvesper im Stephansdom, die immer sehr gut besucht ist. Dann findet die Bescherung hier im Haus statt, zu der ich immer einige einsame Leute einlade, von denen ich weiß, dass sie niemanden haben und alleine zuhause sitzen würden, wenn sie nicht eingeladen würden. Und dann – das ist schon seit 20 Jahren Tradition – feiere ich mit der Caritas-Gemeinde die Mette. Das ist eine Gemeinde, die vor allem aus den Obdachlosen-Häusern gebildet wird. Diese Mette ist für mich jedes Jahr ein Höhepunkt.


Dahinter steht natürlich für mich das eigentliche Geheimnis von Weihnachten: dass Gott ein armes Kind geworden ist. Man kann ja nicht genug meditieren, was das für einen selber heißt, für die Kirche, für die Menschen. Gott hat sich nicht gescheut, in äußerster Armut ein Menschenkind zu werden.“


Warum ist es Ihnen wichtig, mit Obdachlosen Weihnachten zu verbringen?

 

Kardinal Christoph Schönborn: Was mich immer ganz besonders tief berührt, ist, wenn während der Weihnachtsmette im Kreise der Caritas-Gemeinde der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht wird. Es gibt zwei Dinge, die mich besonders beeindrucken. Das ist die hohe Zahl an Menschen, die jedes Jahr stirbt, einfach aus Folge der Armut und des Lebens, das sie zum Teil auf der Straße verbracht haben.

 

Aber was mich noch mehr beeindruckt: Jeder und jede hat einen Namen, ist ein Gesicht, ist eine Person, jemand, der in der Caritas-Gemeinde einen Platz gehabt hat und hat. Das ist für mich eigentlich immer der schönste Moment in dieser Mette, weil es zeigt, dass Gott, der selber ein armes Kind geworden ist, keinen – und besonders keinen Armen – vergisst. Jeder hat einen Namen, eine Geschichte, und jeder ist unverwechselbar.


Weihnachten ist eine Zeit, in der Gott da ist. Wo hat Gott für Sie im heurigen Jahr gewirkt, was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?


Kardinal Christoph Schönborn: Ein Ereignis ist für mich unvergesslich. Während meiner Reise in den Irak waren wir in einem Flüchtlingslager. Dort gab es Häuser, die von Hilfsorganisationen angemietet worden sind, um christliche Flüchtlinge unterzubringen. In einem Einfamilienhaus waren jeweils vier Familien untergebracht. Sehr bescheiden, auf engstem Raum.

 

Wir waren schon am Wegfahren, als eine Mutter rief: „Helfen Sie uns.“ Und wir sind noch einmal stehengeblieben, ausgestiegen und zu einem der Häuser hingegangen. Da waren der kleine George und seine Mutter. Die Mutter erzählte, dass der Bub eine Krankheit habe und dass er nicht überleben werde, wenn er nicht operiert wird. Und da kam uns ganz stark der Wunsch ins Herz, dass wir schauen müssen, ob wir dem Buben helfen können. Und dann haben sich wunderbare Helfer und Spender gefunden, sodass die Finanzierung einer lebensrettenden Operation in Österreich möglich war. Und schließlich konnte der kleine George operiert und gerettet werden.

 

Viele Menschen möchten am Heiligen Abend zu Hause beten, aber wissen gar nicht, wie das geht. Wie findet man in dieses Gebet hinein?

 

Kardinal Christoph Schönborn: Das ist eine gute Frage. Es stimmt, dass sehr viele Menschen hilflos sind und keine Ausdrucksformen haben. Darum freue ich mich immer, wenn breitflächig kleine Gebetshilfen angeboten werden:

 

Broschüren mit dem Weihnachtsevangelium, ein paar Liedern und ein paar Gebeten.
Wir geben ja im SONNTAG immer Hilfen für die Feier des Heiligen Abends. Auch im Internet kann man sich Anregungen holen.

 

Die Schwelle zu überschreiten und sich zu trauen, selber ein Gebet zu sprechen, das braucht viel Ermutigung. Ich kann nur sagen: Trauts euch!
 
Was sind Ihre Tipps, wenn man das erste Mal beten möchte?

 

Kardinal Christoph Schönborn: Auf jeden Fall sollte man das Weihnachtsevangelium lesen, weil es das Herzstück der Weihnachtsfeier ist. Und ich denke doch, dass viele wenigstens das eine oder andere Weihnachtslied kennen. Auch wenn man ein bisschen krächzt und es nicht gerade ein Engelsgesang ist, ist es doch etwas sehr Schönes, miteinander zu singen. Und schließlich gibt es die ganz einfache Form des Gebets – das Rosenkranz–Gebet. Ich empfehle das dritte Gesetzlein vom freudenreichen Rosenkranz zu beten: Ein „Vater unser“, zehn „Gegrüßet seist du, Maria“. Es hilft, wenn man eine fixe Form hat, um das persönliche Gebet ebenfalls in diese Form hineinzubringen.

 

Viele Leute fürchten sich vor Weihnachten, weil die Familie nicht mehr komplett ist. Jemand ist gestorben, die Ehe ist auseinandergegangen oder die Kinder feiern nicht mehr mit. Haben Sie für Menschen, denen vielleicht ein wehmütiges Weihnachten bevorsteht, eine Botschaft?


Kardinal Christoph Schönborn: Das verstehe ich sehr gut. Die Angst vor Weihnachten: Familien-Konflikte, die jetzt besonders schmerzlich spürbar sind, Verlassenheit, Trauerfälle, Sterbefälle. Ich kann da eigentlich nur eines empfehlen: Genau für diese Menschen und für diese Situation ist Gott Mensch geworden. Er ist ja bewusst nicht im römischen Kaiserpalast oder bei der reichsten Familie von Galiläa auf die Welt gekommen, wo alles Wonne und Honigkuchen war, sondern er ist in einer armen Familie Mensch geworden. Das war ja genau der Sinn, warum Gott ihn geschickt hat. Deswegen müssten wir eigentlich sagen:

 

Die, die sich mit Weihnachten schwer tun, sind Gottes besondere Lieblinge. Denen wendet er sich ganz besonders zu. Und das will ja auch das Weihnachtsevangelium sagen.

 

Was ist Ihre Botschaft am Ende des Jahres, anlässlich Weihnachten?

 

Kardinal Christoph Schönborn: Glaube, Hoffnung, Liebe! Glauben, dass Gott in unserem Leben da ist. Glauben heißt: Vertrauen und Hoffen.


Es werden die Zeiten für viele Menschen nicht leichter, deshalb müssen wir aber nicht die Hoffnung verlieren. Denn überall geht es um die Liebe. Es liegt an uns, wie das Klima in unserem Land ist. Ob ich Liebe, Zuwendung und Zeit schenke – oder ob ich mich verweigere.


Ich wünsche mir, dass Glaube, Hoffnung und Liebe in unserem Land wachsen.


 

Weihnachtsengel

Weihnachtsgottesdienste in Wien und im Osten Niederösterreichs

erstellt von: Der SONNTAG / Stefan Hauser / Michael Ausserer
21.12.2016
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Kardinal Schönborn

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Gedanken zum Evangelium vom 14. Dezember 2025

Maria von Guadalupe

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 12.12. 2025

Zu Besuch im Mutter-Kind-Haus: Toni Polster, Andi Herzog und Dr. Bohl als Nikolaushelfer – ein Abend voller staunender Kinderaugen.

Prominente Nikoläuse besuchen die St. Elisabeth-Stiftung

Zu Besuch im Mutter-Kind-Haus: Toni Polster, Andi Herzog und Dr. Bohl als Nikolaushelfer – ein Abend voller staunender Kinderaugen.

Johannes d. Täufer

Wegbereiter

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, den 7.Dezember 2025

Um Gotteslohn

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 5.12. 2025

Licht ins Dunkel

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 28.11. 2025

Advent heißt Ankunft

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, den 30. November 2025

Parasozial

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 21.11. 2025

Kardinal Schönborn feiert Gottesdienst mit armutsbetroffenen Menschen im Stephansdom

Emeritierter Wiener Erzbischof feiert Segensgottesdienst mit von Armut betroffenen Menschen im Stephansdom. Designierter Erzbischof Grünwidl bittet Anwesende um ihr Gebet und spricht Einladung für 25. Jänner aus.

Ja, ich bin ein König

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, den 23. November 2025

Schönborn und Pizzaballa: Spendenaufruf für Menschen im Heiligen Land

Vorweihnachtliche Spendenaktion für Hilfsprojekte in Jerusalem, im Westjordanland und in Gaza - Schönborn: "Christen im Heiligen Land brauchen unsere Solidarität und Hilfe"

Christkindlmarkt

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 14.11. 2025

mit freundlicher Genehmigung der Russisch-Orthodoxe Kathedrale zum heiligen Nikolaus

Was kommt auf uns zu?

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, den 16. November 2025 Lk 21,5 – 19

Wollen wir das?

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 7.11. 2025

Tiefe Wunden- große Hoffnung

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 9.November 2025 

Halloween

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 31.10. 2025

Schönborns Mahnung zum Nationalfeiertag: Österreich braucht Orientierung

Im Wiener Stephansdom kritisierte Kardinal Christoph Schönborn die gesellschaftliche Verrohung. Er forderte mehr Empathie und stellte die Frage, ob die Nation den "Jammer" der Flüchtlinge höre.

Österreich und das Evangelium

Gedanken zum Evangelium am Sonntag, den 26. Oktober 2025

Kardinal Schönborn zum Protektor von „Pro Oriente“ ernannt

Die Stiftung würdigt das unermüdliche ökumenische Wirken des scheidenden Wiener Erzbischofs. Sein Nachfolger betonte die Bedeutung des persönlichen Dialogs.

Gedanken zum Gräbergang

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 1.und 2. November 2025 Mt 5,1-12a

Erzbischof Josef

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 24.10. 2025

Kardinal Schönborn dankt Klasnic bewegt für richtungsweisendes Werk

In Wien dankte Kardinal Schönborn der scheidenden Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic für ihre „Großtat“. Missbrauchsexperte Zollner systemischen Wandel von der Kirche forderte.

Verdunstet bei uns der Glaube?

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium am 19.10.2025

Muss Armut sein?

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 17.10. 2025

Leib und Seele

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 10.10. 2025

Sonnengesang

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 3.10. 2025

Erbarmen und Dankbarkeit

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 12.10.2025

Das kleine Körnchen Glaube

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 5.10.2025

HyperFocal: 0

Lazarus vor deiner Tür

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 28.9.2025

Zettel mit den Worten 'Die Macht der Worte'

Die Macht der Worte

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, aus der Zeitung HEUTE, am Freitag, 25. September 2025.

Kranker Mann mit vielen Medikamenten.

Wie sterben?

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, aus der Zeitung HEUTE, am Freitag, 19. September 2025.

Kardinal Schönborn in Köln: Mut und Hoffnung in der Krise

Kardinal Schönborn feierte vergangenen Sonntag als päpstlicher Legat den Gottesdienst zum 350- Jahr-Jubiläum von St. Maria in der Kupfergasse in Köln.

Gott und das liebe Geld

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 21.9.2025

Das Kreuz im Widerspruch

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 14.9.2025

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