"Gerade Wien mit seiner hohen Lebensqualität sollte nicht dem Druck einzelner Wirtschaftsinteressen nachgeben", so Kardinal Schönborn.
"Gerade Wien mit seiner hohen Lebensqualität sollte nicht dem Druck einzelner Wirtschaftsinteressen nachgeben", so Kardinal Schönborn.
Antworten von Kardinal Christoph Schönborn, in der Zeitung Heute, am Freitag, 26. September 2014.
Wieder einmal wogt die Debatte um die "Sonntagsöffnung" der Geschäfte. Wieder einmal winken manche Wirtschaftsleute mit dem großen Geld, das am Sonntag zu machen wäre. Endlich soll die einzige Ruhezone der Woche auch noch dem Geschäft geopfert werden. Mit der Sonntagsöffnung soll eine Lücke geschlossen werden: dass wirklich alle Tage der Woche gleich sind: Geschäft ist alles! Alles ist Geschäft!
Nun wird man vielleicht einwenden: es geht ja gar nicht um eine flächendeckende Öffnung aller Geschäfte. Nur in sogenannten "Tourismuszonen" sollen die Geschäfte am Sonntag aufsperren, wie der Herr Bürgermeister zustimmend gemeint hat. Und ich höre die Stimmen, die sagen: die Kirche heuchelt! Ihr predigt die Sonntagsruhe, habt aber im Dom den Shop sehr wohl offen.
Es ist mir schon klar, dass es nie eine ausnahmslose Sonntagsruhe gab. Aber es ist doch ein großer Unterschied, ob der Sonntag für die Mehrheit der wirkliche wöchentliche Ruhetag ist, ober ob Stück für Stück der Sonntag dem hektischen, stressigen Alltag gleichgeschaltet wird. Noch gibt es die breite "Allianz für den Sonntag", in der große Teile der Sozialpartner und die Kirchen für den arbeitsfreien Sonntag einstehen.
Gerade Wien mit seiner hohen Lebensqualität sollte hier nicht dem Druck einzelner Wirtschaftsinteressen nachgeben. Und vergessen wir nicht: Mehr Öffnungszeiten heißt noch lange nicht, dass die Menschen mehr Geld in der Tasche haben und sich mehr Konsum und Kauf leisten können. Die Bibel gebietet nachdrücklich: "Am siebten Tag sollst du ruhen!" Gottes Gebot mahnt zu diesem Ruhetag, weil er für den Menschen gut ist. Und was für den Menschen gut ist, ist es auch für die Wirtschaft. Daran mögen alle denken, die jetzt den "Tag des Herrn" dem Geschäft opfern wollen.
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