Thema Missbrauch und Gewalt: Im Parlament setzen Regierung und Kirche eine Geste der Verantwortung.
Thema Missbrauch und Gewalt: Im Parlament setzen Regierung und Kirche eine Geste der Verantwortung.
Ein Staatsakt würdigt die Opfer von Missbrauch und Gewalt in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen. Kardinal Schönborn sagt dem SONNTAG, warum.
„Ab diesem Zeitpunkt war mir bewusst, dass ich für niemanden etwas wert bin. Ich fühlte mich wertlos, nutzlos und als minderwertiger Mensch. Ich war aber auch voller Schuldgefühle.“ Dieser Satz gehört zu den erschütternden Texten von Opfern von Missbrauch und Gewalt, die von Schauspielern im Parlament vorgelesen werden.
Der Anlass: ein Staatsakt für Missbrauchsopfer am Donnerstag, 17. November 2016. Auf Einladung der National- und Bundesratspräsidenten wollen Regierung und Kirche eine „Geste der Verantwortung“ setzen. Damit wird ein lang gehegter Wunsch von Missbrauchsopfern nach einer öffentlichen Würdigung ihres Leids umgesetzt.
Neben Bundes- und Vizekanzler Christian Kern und Reinhold Mitterlehner sowie Hermann Schützenhöfer als Vertreter der Landeshauptleute wird auch Kardinal Christoph Schönborn dabei eine kurze Ansprache halten. Denn es soll ein öffentliches Zeichen an alle Menschen sein, die in staatlichen oder kirchlichen Einrichtungen gelitten haben.
„Dass sie gelitten haben, ist eine Wahrheit, der wir uns immer wieder stellen müssen“, sagt dazu Kardinal Schönborn dem "SONNTAG". Aber hat nicht die katholische Kirche schon in einem großen Schuldbekenntnis in der Karwoche 2010 diese Wahrheit anerkannt? Schönborn: „Ja – und trotzdem hat auch dieser Staatsakt seine Bedeutung und Berechtigung. Missbrauch kann Menschen zerstören – dennoch ist es ein Thema, das oft verdrängt wird. Es ist wichtig, dass dieses Thema aus dem öffentlichen Bewusstsein nie wieder verschwindet. Und auch nicht aus dem Bewusstsein der Kirche.“
Denn es hätten ja nicht nur die Täter und Täterinnen Schuld auf sich geladen, so Kardinal Schönborn, sondern auch alle in Staat und Kirche, die den Opfern keinen Glauben geschenkt, Vorfälle nicht entsprechend aufgearbeitet oder weitere Taten nicht verhindert haben.