Auf einem Transparent im Eingangsbereich des Innsbrucker Doms ist das Wappen des neuen Bischofs Hermann Glettler bereits sichtbar.
Auf einem Transparent im Eingangsbereich des Innsbrucker Doms ist das Wappen des neuen Bischofs Hermann Glettler bereits sichtbar.
Künftiger Innsbrucker Bischof will zwischen traditionellen und liberalen Katholiken in Tirol vermitteln.
Auf einem Transparent im Eingangsbereich des Innsbrucker Doms ist das Wappen des neuen Bischofs Hermann Glettler bereits sichtbar. Darauf seien "starke und auch traditionelle Symbole erkennbar, die für die Amtsverständnis Glettlers eine besondere Bedeutung haben", wies die Diözese in einer Aussendung am Sonntag - eine knappe Woche vor der Bischofsweihe am 2. Dezember in der Innsbrucker Olympiahalle - hin.
Im Wappen von Bischof Glettler befindet sich mit der Brücke im oberen linken Feld der Verweis auf die Stadt Innsbruck; daneben unverkennbar der Grazer Uhrturm, das Wahrzeichen seiner Heimatstadt, mit einer Uhr, die auf Zehn vor Zwölf zeigt. "Es ist höchste Zeit, auf den Ruf Gottes zu hören", so die Deutung in der Aussendung. Im linken unteren Feld des Wappenschildes findet sich die bischöfliche Segenshand, die ebenfalls auf die Herkunftsdiözese des Bischofs verweist. Daneben das verwundete Herz Jesu.
Das Land Tirol ist seit 1796 dem Herzen Jesu geweiht. Dieses Symbol stelle eine "visuelle Kurzformel unseres Glaubens" dar, so die Diözese Innsbruck unter Verweis auf das wegweisende Konzilsdokument "Gaudium et spes": "Gott hat sein Herz geöffnet, um uns zu beschenken und berührbar zu machen für die "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute."
Im Spruchband befindet sich der Wahlspruch von Bischof Glettler aus dem Matthäusevangelium: "Euntes Curate et praedicate" (Geht, heilt und verkündet; Mt10, 7f). Diese Aufforderung Jesu an seine Jünger betrachte Glettler als Motto für die ganze Diözese, sie knüpfe auch an das 50-Jahr-Jubiläum der Diözese Innsbruck im Jahr 2014 und das damalige Motto "aufbrechen" an. Der "damals begonnene Weg der Erneuerung" solle fortgesetzt werden, hieß es.
Als Bischof sehe er seine Aufgabe darin, zwischen dem "traditionelleren" und dem "sehr liberalen Lager" in der katholischen Kirche Tirols zu vermitteln und "für die Einheit zu sorgen". Das erklärte Hermann Glettler, der am 2. Dezember in Innsbruck zum Diözesanbischof geweiht wird, am Sonntag davor im ORF-Religionsmagazin "Orientierung". In Tirol seien sowohl Kirche als auch Gesellschaft "sehr diversitätenreich", das äußere sich in "extremeren Positionen", als er dies etwa aus der Steiermark kenne. Die genannten "Lager" unter den Katholiken würden sich manchmal "gegenseitig paralysieren", Glettler will demgegenüber gemeinsame Schritte nach vorne anregen. Es solle nicht dazu kommen, dass man sich wechselseitig durch Abwertungen "Energie absaugt".
Angesprochen auf den lange Zeit unbesetzt gebliebenen Innsbrucker Bischofssitz wies Glettler darauf hin, dass es weltweit 6.000 katholische Bischöfe und rund 100 vakante Sitze gebe. Es sei eine große Herausforderung, für alle Plätze ein gutes Auswahlverfahren zu haben; manche Länder seien "sehr interventionsfreudig, da gehört Österreich sicher dazu". Von allen möglichen Seiten gebe es Interessen, wer Bischof wird, "vielleicht auch durch unsere Geschichte der Bischofsernennungen bedingt", wie Glettler anmerkte. Seiner Ansicht nach wäre bei Berufungen eine größere Transparenz notwendig für jene, die in den Diözesen Verantwortung tragen.
Zum Frauendiakonat wiederholte Glettler seine schon mehrmals geäußerte "Freude damit", sollte die Weltkirche auf diesen Weg einschwenken. Neu zu thematisieren wäre allerdings jedenfalls das Amtsverständnis für den Ständigen Diakonat und zu fragen: "Wo sind gesellschaftliche Felder, wo es geweihte Personen braucht?"
Auf die Frage, ob bei ihm als Grazer Pfarrer wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion gehen durften, antwortete der baldige Bischof: "Ja, mit einer Begleitung." Am Ende eines Prozesses der Klärung, des "Hinschauens" und der Begleitung könne einem Paar zugetraut werden zu entscheiden, ob es für sie wieder stimmig sei, zur heiligen Kommunion zu gehen.