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22.02.2018 · Kardinal

"20 Jahre Kardinal": ORF widmete Schönborn stimmiges Porträt

Das Christentum sei keine "Sammlung von Moralregeln" - wie es oft missverstanden und "leider auch von uns so praktiziert" werde, erklärt Kardinal Schönborn. Es sei vielmehr "eine lebendige Beziehung, eine Freundschaft mit Christus". Wo es das nicht sei, "wird es uninteressant".

Schönborn: Christentum keine "Sammlung von Moralregeln", sondern "lebendige Beziehung" zu Christus.

Vor 20 Jahren - am 21. Februar 1998 - wurde der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn zum Kardinal erhoben. Der als "moderat konservativ" geltende Ordensmann habe sich in den Turbulenzen um die Missbrauchsvorwürfe seines Vorgängers Hans Hermann Groer als kirchlicher "Krisenmanager" erwiesen, blickte der ORF am Dienstag, 20. Februar 2018, auf diese zwei Jahrzehnte zurück. "Er überraschte mit reformorientierten Entscheidungen, kompromissloser Aufklärung der kirchlichen Missbrauchsskandale und seinem Zugehen auf Randgruppen", hieß es in einem Porträt Peter Beringers im Religionsmagazin "kreuz und quer" am Dienstagabend in ORF 2. Er sei zu einer "fast allseits anerkannten Autorität" an der Spitze der Kirche in Wien und in Österreich geworden.

 

Lange kritische Freundschaft

Zu einzelnen Stationen und auch Irritationen in seiner Zeit als Wiener Erzbischof und Kardinal kam in der Sendung der Schriftsteller Peter Turrini zu Wort, den seit gemeinsamen Aufenthalten im Dominikanerkloster in Retz eine lange und kritische Freundschaft mit Schönborn verbindet. Stellung nahmen auch die Theologen Regina Polak, Paul Zulehner und P. Karl Wallner, Ex-Generalvikar und Pfarrer-Initiative-Mitgründer Helmut Schüller, "Wir sind Kirche"-Vorsitzende Martha Heizer, Otto Neubauer von der Akademie für Dialog und Evangelisation und der Journalist Heiner Boberski.

 


Zum Beitrag von kreuz und quer (bis 27.2.2018 online)


 

Turrini erinnerte an die Zeit, als er in Retz das Stück "Tod und Teufel" schrieb und der damalige Theologieprofessor Schönborn ihn gegen Blasphemievorwürfe verteidigt habe. Trotz aller Distanz eines deklarierten Atheisten habe Turrini den "schönen, reinen, kindlichen" Glauben Schönborns "bewundert", wie er sagte, "ich war nicht fähig dazu". Geäußert habe sich dessen Glaube jenseits aller Bekenntnisroutine in jubelnder Freude über die österliche Auferstehung Christi. Einen "aushaltbaren und austragbaren" Konflikt zwischen beiden habe es später nach dem Erscheinen eines Jesus-Buches des Karikaturisten Gerhard Haderer gegeben, wie der Autor weiter berichtete. Schönborns Vorbehalte gegen ein satirisch beanspruchtes "Everything Goes" habe zur Drohung geführt, dass Haderer-Bücher in katholischen Schulen nicht mehr aufgelegt werden dürfen - "da wurde plötzlich aus der Meinung Macht", kritisierte Turrini.

 

Lob zollte der Dramatiker dem Kardinal dagegen für dessen klare, "vorbildliche" Haltung in der Flüchtlingsfrage. Bei den "Votivkirchenflüchtlingen" im Jahr 2012 oder den 71 toten Flüchtlingen auf der A4 im Sommer 2015 sei der Kardinal dem Thema nicht ausgewichen und habe christlich überzeugend "die Menschen nicht unterschieden in In- und Ausländer, sondern nach Not oder Nicht-Not", sagte Turrini.

 

Achtung vor Würde von "Randgruppen"

Mehrfach war in dem ORF-Porträt die Rede auch von Gruppen wie Homosexuellen, Aids-Opfern oder wiederverheiratet Geschiedenen, denen der Wiener Erzbischof - so die Wiener Pastoraltheologin Polak - stets mit Respekt vor der Würde jedes einzelnen begegne. Schönborn denke gemäß dem Prinzip der "Hierarchie der Wahrheiten" - zentrale Glaubensrichtlinien haben eine höhere Verbindlichkeit als nicht so zentrale, und im Zweifel und nach sorgfältiger Prüfung habe die Menschenwürde der Betroffenen Vorrang.

 

Zum Fall eines niederösterreichischen Pfarrgemeinderates in einer homosexuellen Beziehung kam der Kardinal selbst zu Wort: Seine programmatisch missdeutete "Entscheidung" habe nur darin bestanden, dass er die Wahl des Betreffenden "nicht kassiert" habe - nicht etwa, dass er eine neue Haltung der Kirche zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften vorgeben wollte. "Die Grundprinzipien werden dadurch nicht in Frage gestellt", so Schönborn, "aber das Leben besteht aus konkreten Menschen, und in diesem ganz konkreten Fall musste ich sagen, es wäre nicht richtig gewesen, den einfach abzusetzen - und dazu stehe ich nach wie vor".

Ein Filmausschnitt zeigte Schönborn als Prediger bei einem Gedenkgottesdienst für Aids-Opfer im vergangenen Dezember: Gott sei nicht gekommen zu richten, sondern zu retten, betonte der Kardinal damals. Dies müsse auch für Christen heißen "nicht zu urteilen, nicht auszugrenzen, nicht andere auszurichten".

 

Der Wiener Erzbischof lasse sich auf Menschen ein und sei in seiner Amtszeit in einer "menschenfreundlichen Pastoral" angekommen, äußerte Theologin Polak ihre Wertschätzung: "Das macht ihn nicht zu einem liberal-progressiven Theologen oder Bischof, aber was er gelernt hat - und das macht für mich eigentlich die Fähigkeit eines Bischofs aus - ist, dass er die unterschiedlichen Positionen hört, wahrnimmt und bedenkt." Jemand, der als früherer Theologieprofessor in Fribourg (Schweiz) gewohnt war, vor einem akademischen Auditorium dogmatische Vorträge zu halten, sei in der sehr heterogenen Diözese Wien gelandet, mit ihren großen Divergenzen zwischen Großstadt und ihrem ländlichen Umfeld - "und er lässt sich darauf ein".

 

Kirchenreformen müssen in die Tiefe gehen

Erwähnt wurde in der ORF-Sendung eine "kreuz & quer"-Umfrage unter katholischen Priestern, derzufolge sich 80 Prozent für die Aufgabe der Zölibatsverpflichtung aussprachen und die Hälfte für die Weihe auch von Priesterinnen. Dem und anderen "heißen Eisen" der Kirchenreformdebatte wurde Schönborns Überzeugung gegenübergestellt: Neurorientierung im Sinn der Progressiven sei keine Lösung - der Glaube selbst habe es heute schwer. Die "Kirchenvolksbegehrer" haben - wie Schönborn bemängelte - den Traum, dass die geforderten Reformen die Blütezeit des Katholizismus wieder herstellen würde. Doch "die ist vorbei", wies der Kardinal hin.

 

Zu Szenen bei den kleinen Schwestern vom Lamm, bei denen Schönborn, wenn er in Rom ist, stets ein bescheidenes Quartier bezieht, äußerte sich der Erzbischof optimistisch, dass trotz der Rede vom steten Niedergang des Christentums sich immer wieder kirchliche Neuaufbrüche zeigten. "Wir sind eine kleine Schar, aber wir brauchen keine verschreckte Schar zu sein", so eine weitere Äußerung Schönborns bei einer Pfarrvisitation in Wien.

 

Das Christentum sei keine "Sammlung von Moralregeln" - wie es oft missverstanden und "leider auch von uns so praktiziert" werde, erklärte Schönborn im ORF-Interview. Es sei vielmehr "eine lebendige Beziehung, eine Freundschaft mit Christus". Wo es das nicht sei, "wird es uninteressant".

erstellt von: red/kap
22.02.2018
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Weitere Informationen:

Kardinal Schönborn

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kreuz und quer

 


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Schönborn und Pizzaballa: Spendenaufruf für Menschen im Heiligen Land

Vorweihnachtliche Spendenaktion für Hilfsprojekte in Jerusalem, im Westjordanland und in Gaza - Schönborn: "Christen im Heiligen Land brauchen unsere Solidarität und Hilfe"

Christkindlmarkt

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 14.11. 2025

mit freundlicher Genehmigung der Russisch-Orthodoxe Kathedrale zum heiligen Nikolaus

Was kommt auf uns zu?

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, den 16. November 2025 Lk 21,5 – 19

Wollen wir das?

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 7.11. 2025

Tiefe Wunden- große Hoffnung

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 9.November 2025 

Halloween

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 31.10. 2025

Schönborns Mahnung zum Nationalfeiertag: Österreich braucht Orientierung

Im Wiener Stephansdom kritisierte Kardinal Christoph Schönborn die gesellschaftliche Verrohung. Er forderte mehr Empathie und stellte die Frage, ob die Nation den "Jammer" der Flüchtlinge höre.

Österreich und das Evangelium

Gedanken zum Evangelium am Sonntag, den 26. Oktober 2025

Kardinal Schönborn zum Protektor von „Pro Oriente“ ernannt

Die Stiftung würdigt das unermüdliche ökumenische Wirken des scheidenden Wiener Erzbischofs. Sein Nachfolger betonte die Bedeutung des persönlichen Dialogs.

Gedanken zum Gräbergang

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 1.und 2. November 2025 Mt 5,1-12a

Erzbischof Josef

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 24.10. 2025

Kardinal Schönborn dankt Klasnic bewegt für richtungsweisendes Werk

In Wien dankte Kardinal Schönborn der scheidenden Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic für ihre „Großtat“. Missbrauchsexperte Zollner systemischen Wandel von der Kirche forderte.

Verdunstet bei uns der Glaube?

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium am 19.10.2025

Muss Armut sein?

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 17.10. 2025

Leib und Seele

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 10.10. 2025

Sonnengesang

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 3.10. 2025

Erbarmen und Dankbarkeit

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 12.10.2025

Das kleine Körnchen Glaube

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 5.10.2025

HyperFocal: 0

Lazarus vor deiner Tür

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 28.9.2025

Zettel mit den Worten 'Die Macht der Worte'

Die Macht der Worte

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, aus der Zeitung HEUTE, am Freitag, 25. September 2025.

Kranker Mann mit vielen Medikamenten.

Wie sterben?

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, aus der Zeitung HEUTE, am Freitag, 19. September 2025.

Kardinal Schönborn in Köln: Mut und Hoffnung in der Krise

Kardinal Schönborn feierte vergangenen Sonntag als päpstlicher Legat den Gottesdienst zum 350- Jahr-Jubiläum von St. Maria in der Kupfergasse in Köln.

Gott und das liebe Geld

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 21.9.2025

Das Kreuz im Widerspruch

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 14.9.2025

Überfluss und Mangel

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 12.9. 2025.

Heilig

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 5.9. 2025

Jesus wird immer schwächer und kann das Kreuz kaum mehr tragen. Die Soldaten befehlen dem Bauern Simon von Cyrene, das Kreuz zu tragen., Mt 27,32 (vgl. auch Mk 15,21; Lk 23,26), Bad Schönau; Marienkirche

„Erfolgsrezept“ Christentum

Gedanken zum Evangelium Sonntagsevangelium vom 7.9.2025 Lk 14,25-33 von Kardinal Christoph Schönborn.

Predigt von Kardinal Schönborn heute Vormittag zur Seligsprechung von Bischof Eduard Profittlich

Die Seligsprechung von Erzbischof Eduard Profittlich findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem alte Wunden wieder aufzubrechen drohen. Gerade in dieser Gegend der Welt ist diese Sorge besonders gegenwärtig... so Kardinal Christoph Schönborn heute Vormittag in Tallin, wo er der Seligsprechung des ersten Bischofs von Estland vorstand. 

Schule und Reli

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 29. August 2025

Religion und Gewalt

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 22. August 2025

Himmel oder Hölle

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 24. August 2025

Gerangel um Rang und Ehre

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 31. August 2025.

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