Bereit für große Sprünge: Junge Ordensfrauen und Ordensmänner bringen Schwung in viele Ordensgemeinschaften.
Bereit für große Sprünge: Junge Ordensfrauen und Ordensmänner bringen Schwung in viele Ordensgemeinschaften.
Fast 40 Prozent unserer Pfarren in der Erzdiözese Wien werden von Ordensgemeinschaften geleitet. Und auch sonst wirken Ordensfrauen und Ordensmänner in Wien und Niederösterreich an zahlreichen Orten – etwa in Ordensspitälern, Pflegeeinrichtungen und Ordensschulen.
Was sind die Ziele und Pläne für das Jahr 2020, was sind die aktuellen Herausforderungen und Schwierigkeiten, welche Chancen gibt es? Wir fragen nach.
Wie geht es den Österreichischen Ordensgemeinschaften, insbesondere den Orden am Gebiet der Erzdiözese Wien?
Was sind die Ziele für 2020?
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Peter Bohynik, Generalsekretär der österreichischen Ordenskonferenz |
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Kommt darauf an, aus welcher Sicht man diese Frage stellt. Generell sind wir in ganz Österreich in einem Umbruchprozess und wir stehen vor Herausforderungen.
Vor allem bei den Frauenorden haben wir mittlerweile eine sehr große Überalterung. Von den knapp 3.000 österreichischen Ordensfrauen sind mehr als 1.000 bereits älter als 75 Jahre. Das heißt, dass viele Ordensmitglieder in einem Alter sind, in dem sie pflegebedürftig sind oder werden.
Diese Tatsache stellt die Orden vor die große Herausforderung, wie diese Pflege bewerkstelligt und auch die Finanzierung der Pflege langfristig sichergestellt werden kann.
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Martin Gsellmann, Leiter des Bereichs Medien und Kommunikation bei den |
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Ich blicke positiv nach vorne. Das Jahr 2020 steht bei den österreichischen Ordensgemeinschaften unter dem medialen Motto „#einfach“. Das wirkt sehr zeitgemäß, denn wir leben in einer Gesellschaft, in der es ein Überangebot von allem gibt. Und deshalb ist es ein Trend der Zeit, das eigene Leben auf das Wesentliche hin neu zu orientieren.
Wir möchten heuer unsere Botschaften einfach und verständlich machen, nach innen und nach außen. Wenn man in Wien unterwegs ist, so sieht man etwa vor vielen Kirchen ein Schild: „Hier wirkt eine Ordensgemeinschaft“. Genau das ist es, worum es geht. Wir wollen hinzeigen, dass es hier – mitten in Wien und Niederösterreich – so viele wertvolle Angebote gibt, die von Ordensgemeinschaften geleistet und getragen werden.
Wir lassen Ordensleute und Mitarbeitende medial vermehrt zu Wort kommen, um auch zu zeigen, wer die Menschen sind, die hier so viel Gutes tun und leisten. |
Wo liegen generell Chancen für die Zukunft?
Wie wird es mit dem Ordensleben in Österreich weitergehen?
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Peter Bohynik Generalsekretär der österreichischen Ordenskonferenz |
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Die Chance besteht in der Einbindung von Laien. In sehr vielen Bereichen, in denen die meisten Aufgaben bisher von Ordensfrauen oder Ordensmännern geleistet wurden, kommen bereits jetzt Laien zum Einsatz. Das wird in Zukunft sicher noch zunehmen.
In Bildungseinrichtungen wie Schulen etwa, in denen sich viele Ordensleute mittlerweile aus den leitenden Positionen zurückgezogen haben, oder auch in Ordensspitälern oder kulturellen Einrichtungen.
Hier brauchen wir engagierte Laien, die die Arbeit gut weiterführen, im Bewusstsein und mit dem Selbstverständnis, dass es sich um eine Ordenseinrichtung handelt. Dazu braucht es Laien, die sich genauso dem Charisma der Ordensgemeinschaften verschreiben.
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Martin Gsellmann Leiter des Bereichs Medien und Kommunikation bei den
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Ich bin zuversichtlich für die Zukunft. Wir können uns sicher Gedanken darüber machen, wie wir künftig eventuell schlanker und effektiver verwalten, oder wie wir besser medial kommunizieren können.
Aber generell bin ich überzeugt davon, dass das Evangelium, das Wort, das uns gegeben wurde, in den Ordensgemeinschaften weiter stark wirkt. Das Neue beginnt gerade jetzt und zu jeder Zeit. Gott wird auch weiterhin Berufungen schenken und der Heilige Geist wirkt.
Weniger Jammern und mit viel Sensibilität die neue Sprache des Heiligen Geistes erfahren und erfahrbar machen. |
Was macht für Sie die besondere Kraft von Orden aus?
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Peter Bohynik Generalsekretär der österreichischen Ordenskonferenz |
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Zunächst einmal sind Orden Zeichen der gelebten Spiritualität. Denn sie machen uns deutlich, dass es Menschen braucht, die für Haltungen einstehen und sie mit ihrem eigenen Leben verkörpern. Und sie zeigen der Gesellschaft, dass wir alle nicht nur Konsumenten sind, sondern um es mit den Worten des Evangeliums zu sagen: „Wir sind geliebte Söhne und Töchter.“ Außerdem betreiben Orden Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, sie helfen bei der Flüchtlings- und Armenbetreuung und vieles mehr.
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Martin Gsellmann Leiter des Bereichs Medien und Kommunikation bei den
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In erster Linie das Gebet. Wenn eine Ordensfrau oder ein Ordensmann zu jemanden sagt: „Ich werde für Dich beten“. Es macht definitiv einen Unterschied im Leben, wenn man weiß, dass jemand für einen selbst oder für jemanden aus der eigenen Familie betet. Und genau das machen Ordensleute – sie beten für andere Menschen.
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Einige Orden wachsen mehr als andere: Das Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich etwa hat sehr viele junge Ordensmänner und wächst ständig. Woran liegt das?
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Peter Bohynik Generalsekretär der österreichischen Ordenskonferenz |
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Diese Frage zu beantworten ist relativ schwierig. Ein Zugang wäre: Dort, wo es Junge gibt, da kommen Junge dazu. Aber ich stelle mir diese Frage nicht, sondern aus meiner Sicht sollten wir einfach das Geschenk annehmen, dass es einige Ordensgemeinschaften und Orte in Österreich gibt, in denen Wachstum nach wie vor stattfindet. Und nicht nur in solchen Wachstumszellen gibt es derartige Geschenke, denn Gott überrascht uns auch immer wieder mit |
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Martin Gsellmann Leiter des Bereichs Medien und Kommunikation bei den
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Ich sehe außerdem großes Potential und Chancen für Wachstum in der Zusammenarbeit, die sich durch die Zusammenlegung der Superiorenkonferenz der Männerorden und der Vereinigung der Frauenorden ergibt. Nicht nur, dass wir damit verwaltungstechnisch in vielen Bereichen fusionieren und schnellere und direktere Wege haben werden. Sondern die Zusammenlegung wird auch etwas ganz Entscheidendes mit sich bringen, nämlich „Konsensualität“. Fernab von Einzelinteressen beginnt man Individualität anders zu denken, indem man zuerst als Gemeinschaft denkt und als Gemeinschaft auch Entscheidungen trifft. Das ist sicher sehr herausfordernd, aber gleichzeitig eine gewachsene Größe, die bei den Ordensgemeinschaften bereits jetzt existiert. Diesen Schatz als gemeinschaftliche Ordenskonferenz weiter zu vergrößern und noch breiter zugänglich zu machen, als eine Einheit von Frauen und Männern, von Ordensleuten und Laien, ist eine Riesenchance für das heurige Jahr und weit darüber hinaus. |

Peter Bohynik
Generalsekretär der österreichischen Ordenskonferenz

Martin Gsellmann
Leiter des Bereichs Medien und Kommunikation bei den Ordensgemeinschaften Österreichs
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