Pressegespräch in Wien zu den Kulturschätzen der Orden und Klöster.
Pressegespräch in Wien zu den Kulturschätzen der Orden und Klöster.
Neue Initiativen um kulturelle Schätze in den Orden bekannter zu machen.
Klöster und Ordensgemeinschaften verwalten „unschätzbare Kulturgüter nicht nur im Tresor und hinter verschlossenen Türen“ – das betonte Abtpräses Christian Haidinger am Donnerstag, 9. März 2017 bei einer Pressekonferenz im Wiener Begegungszentrum „Quo Vadis“.
Unter dem Schlagwort „KulturÖffnet“ soll die Bedeutung von Kulturleben, -arbeit und –gütern Österreichischer Ordensgemeinschaften in den Fokus rücken. Klöster starten auf Österreichebene Initiativen zu Erhalt und Vermittlung christlicher Kultur.
Als langjähriger Kustos der Kremsmünsterer Kunstsammlung verwaltete Haidinger auch den berühmten Tassilokelch aus dem 8. Jahrhundert. Es sei den Orden „ein ganz großes Anliegen, diese Schätze auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so der Benediktiner und Vorsitzende der Superiorenkonferenz der Männerorden. Vieles sei bekannt, allerdings tauchen immer wieder neue Kostbarkeiten auf: So wurden erst vor wenigen Monaten sechs alte Lauten aus dem 17. Jahrhundert in Stift Kremsmünster wiederentdeckt und untersucht, die zu den weltältesten zählen – eine musikhistorische Sensation.
Ohne Förderungen der öffentlichen Hand seien mit solchen Kunstschätzen verbundene finanzielle Herausforderungen nicht zu bewältigen, betonte Haidinger. Der Abtpräses zeigte sich über die erhaltene Unterstützung erfreut, allerdings seien durch Restaurierungen und Nachbesserungen von Kulturschätzen „wesentlich mehr Steuern gezahlt“ worden, als die Summe der Förderungen betrage: Allein in den 10 Jahren seiner Zeit als Abt in Altenburg seien 12,6 Millionen Euro in die Gesamtrestaurierung investiert worden.
Christian Haidinger wirkte 10 Jahre lang als Präsident des Vereins „Klösterreich“, einer Vereinigung von 23 Österreichischen Klöstern, die unter den Stichworten „Kultur entdecken – in Begegnung eintauchen – Glaube erleben“ ein breites kulturelles Angebot bieten. In den letzten beiden Jahren hat „Klösterreich“ begonnen, das Angebot verstärkt in digitalen Medien zu bewerben.
„Kirchliche Kunst ist nicht museal – sie ist funktional“, so Helga Penz vom Referat für die Kulturgüter der Orden: „Sie braucht Kontext, sonst wird sie zweidimensional“. Unter der Leitung der Historikerin wurde im Büro der Ordensgemeinschaften in den vergangenen Jahren ein Kulturreferat aufgebaut. Die Auseinandersetzung mit christlicher Kultur beginne langsam aus dem Bildungskanon herauszufallen, so Penz. Sie berichtete von Stiftsführungen mit Kindergruppen, die die Bedeutung des Kreuzes nicht mehr kennen.
„Ordensleben ist eine kirchliche Subkultur“, so Penz – „mit einem enormem impact“. Der Lebensentwurf nehme nach wie vor „einen wichtigen Platz in unserer Gesellschaft“ ein: „Bis heute sind die Orden der größte Schul- und Spitalserhalter Österreichs“, erinnerte Penz an die bleibende Bedeutung der Einrichtungen. Entgegen den Vorhersagen der „Säkularisierungsthese“ habe Religion heute „Hochkonjunktur“. Klöster seien heute wieder mehr denn je Zentralorte der Spiritualität“. So erfreuen sich die Angebote „Kloster auf Zeit“ und „freiwilliges Ordensjahr“ großer Beliebtheit. Unter Leitung von Sr. Ruth Pucher wurde eine Arbeitsgemeinschaft für Kirchenpädagogik gegründet, die sich diesem Anliegen widmet.
Gerade in der Zeit des digitalen Erbes sei die „Aura des Originals“ wichtig, so Penz. Bibel-Apps seien zwar praktisch - eine alte Bibel aus dem 18. Jahrhundert in Händen zu halten aber ein Erlebnis für sich. Ordenskultur sei „immer auch Teil gesellschaftlicher Kultur und der Landesgeschichte“, so Penz: „Kultur backstage“ gäbe es in allen Klöstern. Gradmesser sei neben künstlerischer Qualität das kulturhistorische Zeugnis: Die Geschichte eines Objektes zu kennen mache seinen Wert mit aus.
Die Stifte setzen daher auch auf die Erfassung ihres Erbes: Ein gestartetes Fünf-Jahres-Projekt des Kulturgüter-Referats bemüht sich um Sicherung und Bewahrung des Kulturerbes Österreichischer Ordensgemeinschaften. Unterstützung als Projektzuständige leistet Kunsthistorikerin und Textilrestauratorin Karin Mayer, die langjährige Erfahrung in der Pfarrinventarisierung aufweisen kann.
Anlässlich des 500-jährigen Reformationsgedenkens warten Klöster mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Tagungen auf. Zu den besonderen Kulturschwerpunkten zählt heuer auch der 300. Geburtstag Maria Theresias. Neben Sonderausstellungen in Klöstern wird das Salesianerkloster am Wiener Rennweg am 14. Mai 2017 seine Klausur für Besucher öffnen – das erste Mal seit 50 Jahren. Das Wiener Frauenkloster wurde am Tag der Geburt der Kaiserin gegründet, die mit dem Ort zeitlebens eng verbunden war.
Informationen zu Veranstaltungen finden sich im Kulturkalender der Orden unter kulturgueter.kath-orden.at.
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